Kunst im Rathaus: Zwischen Vielfalt und Tiefgang
Schneckenhäuser treffen auf Schiefertafeln, Acryl auf Gips und Marmormehl, Gold auf Schwarz, Licht auf Schatten, ein Davidstern auf eine Dornenkrone, Wasserschildkröten auf eine Diva. Die neu ausgestellten Werke im Sarganser Rathaus haben trotz ihrer enormen Vielfalt eines gemeinsam: Sie bringen nicht nur Farbe in die nüchternen Räumlichkeiten des Altbaus an der Städtchenstrasse 45, sondern auch Tiefgang. Sie tragen allesamt italienische Namen und die Handschrift eines Künstlers, dessen Lebensweg seine Werke prägt.
Bruno Kühne genügen nicht einfach nur Pinsel und Farbe, um sich in seiner Kunst auszudrücken. Vielmehr setzt er dabei auf eine breite Palette von Materialien, bedient sich Leimgel, Tusche, Gips und Marmormehl, Naturstoffen wie Schieferstücken, Schneckenhäusern, Weideästen und Steinen. Er kreiert nicht nur Bilder, sondern auch Skulpturen. Und er bedient sich, um die Wahrnehmung seiner Kunst vollends abzurunden, gar seiner eigenen Musik – und einem handwerklichen Geschick, das er sich durch seinem beruflichen Werdegang angeeignet hat.
Weg vom Zeichnerpult, hinein ins Atelier
Denn Bruno Kühne war nicht immer Künstler. Als Hochbauzeichner erstmals mit der Kunst des Freihandzeichnens in Berührung gekommen, führte ihn sein Weg erst in eine Zimmerei, dann zur Amnesty International. Nach einer Ausbildung zum Sozialarbeiter arbeitete der Sarganser mit Menschen mit körperlicher oder psychischer Beeinträchtigung. Schliesslich vertiefte er sich mit dem Studium der Religionspädagogik und Theologie in die spirituellen Belange des Lebens – und wurde Pastoralassistent in Walenstadt. Heute arbeitet der 59-Jährige als Fachlehrer in Ethik, Religion, Musik/Singen. Zudem hat er in Flums sein eigenes Atelier, bietet Malkurse an und lebt für seine Kunst.
Kunst tut gut
Kühnes Werdegang habe ihm eines gezeigt: «Es tut dem Menschen gut, seine individuelle künstlerische, musische und schöpferische Ader zu suchen und zu fördern. Heime, Werkstätten und Kliniken entdecken den Wert solcher Aktivitäten und setzen sich vermehrt mit Kulturarbeit auseinander. Auch Ausbildungsgänge verbinden psychologisches und künstlerisches Wissen und Handeln. Wenn Menschen ausgebrannt sind, wird ihnen geraten, zu Malen oder Skulpturen zu kreieren.» Kurzum: «Das eigene Gestalten führt uns zu dem, was wir suchen.»
«Kunstwerke regen an», ist sich Kühne sicher. Das müsse nicht bedeuten, dass diese Wirkung von den Kunstschaffenden gewollt und provoziert ist. «In der Kunst steckt eine Brücke zu der Begegnung mit einem ‘Mehr’ als wir sind. Inhalte sind zum Teil verschlüsselt, verpackt oder auf ungewohnter Ebene angesiedelt und werfen so einen anderen Blick auf die Wirklichkeit.»
Vernissage am 18. September
Am Freitag, 18. September 2026, feiert Bruno Kühne mit seinen ausgestellten Werken im Rathaus Sargans Vernissage. Von 18 bis 20.30 Uhr sind alle Interessierten eingeladen, seine Malereien zu betrachten und sich mit deren Schöpfer auszutauschen. Die Gemeinde offeriert einen kleinen Apéro.
Die Ausstellung dauert bis im Oktober. Sie ist zu den normalen Schalteröffnungszeiten der Gemeindeverwaltung frei begehbar.