«Sicherheit ist ein Gemeinschaftswerk»
550 registrierte Straftaten im Jahr 2025 und eine im regionalen Vergleich hohe Kriminalitätsrate: Die Polizeistatistik wirft Fragen zur Sicherheitslage in Sargans auf. Was sagen diese Zahlen tatsächlich aus? Und wie sicher ist Sargans im Alltag? Diesen Fragen widmete sich der Bürgerabend 2026. Dem Gemeinderat – und allen voran der gastgebenden Rätin Andrea Büsser, Ressortleiterin Soziales und Sicherheit – standen mehrere Akteure für die Beantwortung dieser und weiterer Fragen zur Seite. Da war einerseits Martina Brassel, Leiterin Kommunikation der Kantonspolizei St. Gallen. Sie wurde bereits im Vorfeld des Bürgerabends von Büsser im Hauptsitz in St. Gallen besucht und hatte vor laufender Kamera vordefinierte Fragen zur Sicherheit in Sargans beantwortet. Da war andererseits Anita Schaub, stellvertretende Geschäftsleiterin der Mojas – offene Jugendarbeit, die gleich vor Ort das Thema Sicherheit auf die Sarganser Jugend herunterbrach. Und da war schliesslich auch Peter Bolt, Leiter des Polizeipostens Mels, der mit seiner langjährigen Erfahrung an der Basis einen weiteren Blickwinkel in die Diskussion einbringen konnte.
Der Bürgerabend machte deutlich: Sargans ist trotz der vergleichsweise hohen Kriminalitätszahlen nicht grundsätzlich gefährlicher als andere Gemeinden der Region. Als bedeutender Verkehrsknotenpunkt beeinflusst insbesondere der Bahnhof die Statistik. Ohne die dort erfassten Delikte würde sich ein deutlich anderes Bild ergeben. Gleichzeitig zeigte der Abend, dass öffentliche Sicherheit nur gemeinsam gewährleistet werden kann. Die gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Kantonspolizei, Jugendarbeit, Schulen und privaten Sicherheitsdiensten bildet dafür eine wichtige Grundlage.
Subjektive Wahrnehmung
Aber von vorne: Der Einladung zur rein informativen öffentlichen Veranstaltung sind am Donnerstag rund 60 Personen gefolgt. Sie wurden in der Aula des Oberstufenzentrums von Gemeindepräsident Stefan Kohler begrüsst und in die Thematik eingeführt. «Sicherheit ist ein Grundbedürfnis», stellte er fest. Allerdings werde sie von jeder Person anders wahrgenommen. Diese subjektive Wahrnehmung sei oft der Nährboden für Diskussionen. «Der heutige Abend soll helfen, die Situation rund um die öffentliche Sicherheit in Sargans besser einschätzen zu können.»
Danach übergab er an Ratskollegin Büsser, die durch das im Vorfeld aufgezeichnete Interview mit Kapo-Kommunikationsfachfrau Brassel moderierte. Die Gesprächsthemen waren in vier Blöcke gegliedert: allgemeine Fragen zur Kriminalstatistik, Fragen zum Bahnhof Sargans, Fragen zum Schutz von Liegenschaften und schliesslich Fragen zur Prävention. Brassel beantwortete die Fragen kompetent, gab konkrete Verhaltensempfehlungen fürs eigene Zuhause (Dämmerungseinbrüche, Videoüberwachung) und den Aufenthalt in öffentlichen Räumen (Zivilcourage, Umgang mit öffentlichen Ärgernissen). «Sargans ist ein regionales Zentrum, ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt», ordnete sie ein. «Zentren mit hoher Mobilität haben erfahrungsgemäss mehr Fallzahlen.»
Grosse Nachfrage, erweitertes Angebot
Diesen könnten die Gemeindebehörden wie auch die Bevölkerung gemeinsam begegnen. Denn in der Zusammenarbeit liege der Schlüssel zu Prävention und Aufklärung: «Sie ist dann gewinnbringend, wenn die Dienstleistungen von Gemeindeverwaltung, Kantonspolizei, Jugend- und Schulsozialarbeit sowie privaten Sicherheitsdiensten ineinandergreifen.» Mit dem Einsatz eines privaten Sicherheitsdienstes, Videoüberwachung und der gezielten Belebung des Bahnhofplatzes hat die Gemeinde bereits verschiedene Massnahmen ergriffen, um die öffentliche Sicherheit und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu stärken. Brassels Fazit: «In Sargans ist man auf einem sehr guten Weg.»
Mit der Jugend- und Schulsozialarbeit war denn auch gleich der Bogen zur zweiten Rednerin des Abends gespannt. Mit ihrer Erfahrung nach 18 Jahren in der Jugendarbeit im Raum Mels-Sargans-Flums brachte Anita Schaub bedeutend mehr Nähe und damit nicht nur thematisch einen starken Kontrast zur vorherigen Rednerin. Mit einfachen, aber konkreten Beispielen erklärte sie das Credo und die Arbeitsweise der offenen Jugendarbeit Mels-Sargans-Flums sowie ihren direkten Einfluss auf das Sicherheitsempfinden von Jugendlichen. «Wir arbeiten nach dem präventiven Ansatz, Jugendliche zu erreichen, bevor Probleme entstehen», fasste sie zusammen. Jugendliche seien nur ihrer Jugend wegen nicht pauschalisiert als potenzielle Kriminelle zu betrachten. «Wir alle waren auch einmal jugendlich», ermahnte Schaub.
Der Jugendraum in Sargans habe indes sein Angebot erweitert und nicht nur am Mittwochnachmittag geöffnet, sondern auch am Freitagabend. Die Mojas reagiere damit auf die sehr grosse Nachfrage der Jugendlichen von Sargans auf ihr Angebot.
«Sargans ist nicht gefährlich»
Es war am Ende Peter Bolt, der alle zuvor genannten Zahlen und Fakten, alle Ausführungen und Klarstellungen mit einem zusammenfassenden Votum zu relativieren vermochte. «Die aktuellen Zahlen stellen die Gemeinde Sargans zwar nicht ins beste Licht. Aber lassen Sie mich eines betonen: Sargans ist nicht ansatzweise so gefährlich, wie in der Kriminalstatistik abgebildet.» Man könne sich jederzeit sicher fühlen, egal wo man sich aufhalte. Die Zahlen seien deshalb irreführend, weil sie auch den Durchgangsverkehr berücksichtigen würden. Ein Beispiel: «In einem Zug von Zürich in die Ostschweiz wird ein Delikt begangen. Wo wird das Delikt aufgenommen? Beim nächsten Halt. Also in Sargans.» Damit wird die Straftat statistisch Sargans zugeordnet, obwohl sie nicht zwingend in der Gemeinde passiert ist.
Die anwesenden Sarganserinnen und Sarganser wollten es etwas genauer wissen und nutzten die Gelegenheit, um dem anwesenden Polizisten direkt Fragen über alltägliche Situationen zu stellen, etwa im Zusammenhang mit Drohnen, E-Trottinetts oder Pfefferspray. Auch brachten Fragen rund um Themen wie das Pilotprojekt autofreies Bahnhofareal oder das Beleuchtungskonzept in Sargans andere Gemeinderäte auf den Schirm. Der Übergang zur allgemeinen Umfrage geschah denn auch fliessend. Nach kurzen Ausführungen des Gemeindepräsidenten zum aktuellen Stand in der Ortsplanungsrevision und zur neuen Ausweisstelle in Sargans gingen die Anwesenden zum Apéro und damit zum gemütlichen Teil des Bürgerabends über. Die Gespräche blieben angeregt, die Stimmung gelassen.